Geocacher missbrauchen Nistkasten – Die Chronik

Mit diesem zugegeben etwas plakativen Titel, wartete vor kurzem das Gelnhäuser Tageblatt auf seiner Facebook-Präsenz auf. Neben der Abbildung des besagten Nistkastens heißt es weiter im Text:

Unbekannte Geocacher haben einen Nistkasten als Versteck für einen Cachebehälter samt Logbuch missbraucht und außerdem hinter das Einflugloch eine Holzplatte geschraubt.

Dieser Bericht wäre sicherlich in den Tiefen des World Wide Web verschwunden, wenn nicht ein User den Beitrag in der Facebook-Gruppe Geocaching Community Deutschland geteilt hätte. Neben dem üblichen Kopfschütteln in Richtung Owner, häuften sich hier nach kurzer Zeit, kritische Stimmen, welche Details in dem Bericht anzweifelten. So wurde unter anderem eine fehlende Gemarkung, die Anbringhöhe des Nistkastens, die Befestigung der Stash-Note mit der Halteschraube des Nistkastens am Baum angezweifelt. Da aus dem Originaltext des Aufmachers nicht genau hervorging, ob es sich jetzt um einen Nistkasten des Nabu handelte oder um einen Nistkasten im Wald der vom Nabu entdeckt wurde, bat ich das GT um eine kurze Klarstellung.

Also ich werde aus dem Text nicht schlau. Ist es jetzt ein Nistkasten vom Nabu oder ein eigener? Es steht ja nicht explizit, dass es sich um einen Nistkasten vom Nabu handelt, auch fehlt mir die Nummerierung und die Schraube die den Nistkasten hält, hät auch gleichzeitig den Geocaching Hinweis. Wenn also jemand seinen eigenen Nistkasten im Wald befestigt und den entsprechend vor Vogeleinflug schützt, dürfte dies weniger Empörtheit auslösen, als die Überschrift vermuten lässt.

Das GT antworte nicht direkt führte aber weiter in den Kommentaren aus:

Den hat der NABU aufgehängt, in einem sensiblen Gebiet, in dem das letzte regionale Vorkommen der Spechtart „Wendehals“ ist.

Das Gelnhäuser Tageblatt war mit den NABU-Aktivisten vor Ort, der Cachebehälter ist wohl wegen Verstößen gegen die Natur- und Waldschutzgesetze inzwischen bei der Polizei, die Koordinaten haben sich also geändert.

Der Einzige der von dem ganzen Treiben nichts mitbekam, war wohl der Owner, welcher dann etliche Kommentare später auch mal auf der Geocaching-Website informiert wurde. Die Reaktion lies nicht lange auf sich warten:

Hallo liebe Cacher.

Ich musste den Cache erst mal deaktivieren, da es zu großen Missverständnissen gekommen ist.
Die NABU Wächtersbach hat bei ihren alljährlichen Reingungsarbeiten von Vogelkästen wohl auch meinen Cache gefunden. Sie sind der Meinung, dass dieser Cache (Vogelkasten) von Ihnen ist und ich diesen zweckentfremdet habe.

DIESES IST NICHT RICHTIG – ES HANDELT SICH HIERBEI UM MEIN EIGENTUM

Um allen Gerüchten aus dem Weg zu gehen:
Meine Tochter hat vor ca 15 Jahren auf der Messe Wächtersbach im Kinderzelt einen Vogelkasten selbst gebaut und wir haben damals das Material auch bezahlt. Ich glaube es waren so um die 5 Euro.
Dieser Vogelkasten hing jahrelang bei uns im Garten und wurde leider von den Vögeln nie genutzt.
Bei Reingungsarbeiten in unserem Garten haben wir uns dazu enschlossen, den Kasten zu einem Cache umzufunktionieren. Das haben wir dann auch getan und diesen aufgehängt.
Es handelt sich nicht um das Eigentum von NABU oder einer anderen Person. Es ist auch nicht mehr als Nistkasten anzusehen, da ich das Einflugloch verschlossen habe, damit keinem Tier etwas passieren kann. Der Cache wurde so versteckt, dass die Natur so wenig wie möglich belastet wird.
Es lag nie in meinem Interesse, weder der NABU noch der Natur noch den Tieren zu schaden.

Quelle
Dieses Statement löste einen entsprechenden Shitstorm in Richtung GT und Nabu aus. Hohn und Spott gewürzt mit Zitaten aus Begegnungen mit Nabu-Aktivisten füllten, die Kommentare auf. Bis sich der Verein Geocaching Rhein-Main e.V. einschaltete und versuchte zwischen allen Beteiligten zu vermitteln und ein bisschen Feuer aus diesem Fall zu nehmen. Mittlerweile liegt hier auch ein weiteres Statement vor:

+++ Update zum Nistkasten-Geocache in Wächtersbach +++
Wir konnten inzwischen mit allen Beteiligten (Ownerin, Gelnhäuser Tageblatt, NABU Wächtersbach) telefonieren und auch von der NABU Wetterau liegt ins uns eine E-Mail vor. Alle waren sehr interessiert an einem persönlichen Gespräch und keiner wollte eine derartige Diskussion entfachen, wie sie nun an vielen Stellen in Gange ist. Wir werden uns am Donnerstag Nachmittag zusammensetzen und alles weitere klären. Der NABU hat bereits die Bereitschaft signalisiert den Cache an anderer Stelle wieder zu veröffentlichen – dann auch mit Genehmigung „wink“-Emoticon Ich bin sehr positiv überrascht, wie schnell und freundlich alle Beteiligten reagiert haben und freue mich auf den Termin am Donnerstag! (aw)

Quelle
Auch das Gelnhäuser Tageblatt erklärte mittlerweile auf Facebook

+++++ Diskussionen um Cachebehälter in Nistkasten ++++
Der Bericht des GT über einen Cachebehälter, den ein Geocacher in einem Nistkasten auf der „Orber Spitze“ verborgen hat, löste, insbesondere bei Facebook, heftige Diskussionen aus. Das GT hat die Debatte verfolgt und wird in seiner weiteren Berichterstattung die wichtigsten Positionen und Argumente gegenüberstellen.Um das Problem konstruktiv zu klären, wird es am Donnerstag eine Gesprächsrunde geben, an der Annika-Nicole Wohlleber von Geocaching Rhein-Main e.V., der Besitzer („Owner“) des fraglichen Caches, der Wächtersbacher NABU-Vorsitzende Karl-Richard Licht und das Gelnhäuser Tageblatt teilnehmen werden. Eine ausführliche Berichterstattung gibt es morgen und am Freitag im GT.

Quelle

Gibt es eine Moral zu dieser Geschichte? Ich möchte jetzt nicht in Richtung Journalismus wettern, so anmaßend bin ich nicht. Bislang habe ich Geocaching Vereine immer abgelehnt und werde diese Vereinskultur wohl auch in Zukunft vermeiden. Für mein Empfinden hat in diesem Fall Geocaching Rhein-Main e.V. gut reagiert, es hat den Dialog gesucht, als „neutrale“ Stelle, diese hitzige Diskussion sehr gut abgekühlt und alle Beteiligten an einen Tisch gebracht. Jetzt wünsche ich mir noch für den Owner eine positive Entwicklung, war er doch der Letzte, der von dieser Diskussion etwas mitbekommen hat.

UPDATE: Infos aus dem Gespräch

8 Gedanken zu „Geocacher missbrauchen Nistkasten – Die Chronik

  1. „In einem überaus konstruktiven und freundlichen Dialog, räumten alle Seiten ihre Fehler ein und vereinbarten für die Zukunft eine engere Zusammenarbeit.“

    Kann mir bitte mal jemand erklären, welchen Fehler die Ownerin gemacht hat? Ich dachte eigentlich immer, dass ein entsprechend präpariertes Vogelhaus eine der naturschonendsten Variante ist, im Wald einen Cache auszulegen.

    Viele Grüße
    Gerald

  2. Hinzu kommt allerdings auch die schlechte oder besser zu kurze Recherche des Tageblatts. Bevor man einen solchen Bericht veröffentlicht sollte man doch immer beide Seiten anhören. Dem NABU blind zu glauben war ein Fehler der Tageszeitung!

  3. „Der NABU hat bereits die Bereitschaft signalisiert den Cache an anderer Stelle wieder zu veröffentlichen – dann auch mit Genehmigung“

    Halloo! Muss man jetzt neuerdings eine Genehmigung vom NABU einholen, wenn man im Wald einen umgebauten Nistkasten als Cache auslegen will? Ich glaub, es hackt! Ich kenn mich zwar mit der Gesetzeslage nicht so wirklich aus, aber in meinen Augen wäre hier ganz klar mal eine (öffentliche!) Entschuldigung des NABU und GT gegenüber der Ownerin fällig, sowie eine sofortige Rückführung des Caches an den URSPRÜNGLICHEN Ort.

    Viele Grüße
    Gerald

  4. Das zeigt zuerst einmal das es doch nicht sooo verkehrt ist wenn sich GC-Vereine gründen.
    Wer in einen solchen Verein offiziell vertritt, dem unterstelle ich einfach mal so viel Intelligenz und Kompromissbereitschaft das er sich irgendwie automatisch als Streischlichter qualifiziert. Schön das es solche Leute gibt, für mich wäre das trotzdem nichts.
    Zweitens bestätigt das aber auch mein Vorurteil gegen Organisationen wie den NABU, ich habe nämlich den Eindruck das sich dort (vorsichtig ausgedrückt) Extremisten sammeln die grundsätzlich alles verteufeln was sie nicht selbst machen.

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